Rede des Ministers Jari Leppä am Bundestag

Ministry of Agriculture and Forestry 16.1.2019 15.14
Speech

Sehr geehrte Abgeordnete und Mitglieder des Europäischen Parlaments, sehr geehrte Expertinnen und Experten der Forstwirtschaft.

Ich bedanke mich herzlichst, dass ich bei dieser sehr interessanten Veranstaltung eine Rede halten darf.

Derzeit bedecken die Wälder Finnlands Dreiviertel unserer Landfläche. Die finnischen Wälder sind eine bedeutende Kohlenstoffsenke, die bis zu 50 Prozent der Treibhausgasemissionen Finnlands aufnimmt. Der Anteil der Forstprodukte an der Warenausfuhr beträgt über 20 Prozent. Aus diesem Grund möchten wir weiterhin die Rolle der Wälder stärken – hinsichtlich der Eindämmung des Klimawandels, der Anpassung an den Klimawandel und der Entwicklung einer nachhaltigen Biowirtschaft.

Der Zuwachs der finnischen Wälder ist gleichmäßig angestiegen und davon wird zurzeit rund 70 Prozent genutzt. Der Anstieg des Zuwachses steigert nicht nur das Holzeinschlagspotenzial, sondern auch die Möglichkeiten der vielseitigen Nutzung der Wälder. Ebenso wird der Kohlenstoffspeicher der Wälder langfristig gestärkt.

Das Wachstum der Wälder beruht auf aktiver Pflege und Nutzung der Wälder. Hierbei haben die privaten Waldbesitzer eine sehr wichtige Rolle. Die Wälder haben eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Die weltweit gestiegene Nachfrage nach Holzprodukten macht sich auch bei uns als verstärkter Holzeinschlag bemerkbar. Dies hat auch die Notwendigkeit hervorgehoben, die nachhaltige Waldbewirtschaftung zu intensivieren und für den Schutz der biologischen Vielfalt zu sorgen.

Unsere Wälder sind gesund und wachstumsfähig. Das weltweit ein starkes Interesse hervorgerufene Know-how der Finnen bei der Waldbrandbekämpfung ist ein Faktum. Das Risiko der zunehmenden Waldschäden ist durch den Klimawandel jedoch realistisch. Diesen Herausforderungen begegnen wir mit einer guten Waldpflege.

Holz ist der wichtigste Rohstoff für die finnische Biowirtschaft. Ein umweltfreundliches Verbraucherverhalten fördert den Übergang von der fossilen Wirtschaft zur Biowirtschaft und steigert somit auch die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz.

Die Nutzung des Holzes wird immer vielseitiger. Eine steigende Anwendung findet sich in Verpackungsmaterialien, Arzneimitteln, Textilien und in der Kosmetik. Auch die Nebenprodukte und Rückstände der Holzverarbeitungsindustrie werden effizient verwertet. Die Entwicklung und Kommerzialisierung von neuen holzbasierten Erzeugnissen sind ein Teil der Nationalen Forststrategie Finnlands.

Die Rolle der Wälder und des Landnutzungssektors wird auf dem Weg in eine kohlenstoffneutrale und klimanachhaltige Gesellschaft immer wichtiger. Dies wird auch in der langfristigen Vision der Kommission für eine wohlhabende, moderne, wettbewerbsfähige und klimaneutrale Wirtschaft festgestellt. Aus der Mitteilung der Kommission geht spürbar auch die Rolle der Biowirtschaft in der  Ersetzung der umweltschädlichen Rohstoffe durch erneuerbare biobasierte Materialien hervor. Holz bietet auch Lösungen für die Ersetzung der Kunststoffe. Wir halten es für wichtig, dass die EU die Markteinführung von nachhaltigen biobasierten Erzeugnissen konsequent fördert und die Ersetzung von nicht erneuerbaren Rohstoffen durch erneuerbare Rohstoffe ermutigt.

Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer,

wie Sie gut wissen, verfügt die EU über keine tatsächliche gemeinsame Forstpolitik. Die Regelungen bezüglich der Wälder in der EU haben kontinuierlich zugenommen. Der Forstsektor befindet sich oft sogar im Mittelpunkt der Politikgestaltung, bedingt durch die Klima- und Energiepolitik. Finnland tritt konsequent für eine bessere Koordination der Forstangelegenheiten der EU und für eine bessere Verwertung des Forstwissens in der Vorbereitung von EU-Initiativen ein. Hierbei ist das wichtigste Instrument die EU-Forststrategie. Die gegenwärtige Strategie ist bis zum Jahr 2020 gültig und somit ist die Erneuerung der Strategie bald aktuell.

Wie Sie wissen, hat Finnland in der zweiten Jahreshälfte den EU-Ratssitz inne. Wir hoffen in der Lage zu sein, die von mir erwähnten Ziele bezüglich der EU-Forststrategie während unserer Präsidentschaft zu fördern. Die Biowirtschaft wird dann ein wichtiges Thema sein.

Die Verhandlungen zum europäischen Forstvertrag werden – nach mehreren Jahren Stillstand – wieder in Gang gesetzt. Die Entscheidung über die Wiederaufnahme der Verhandlungen steht zurzeit zur Verabschiedung bei den europäischen Forstministern im vereinfachten schriftlichen Verfahren an. Ich vertraue darauf, dass die Verhandlungen aufgenommen werden. Die EU-Forststrategie und der europäische Forstvertrag ergänzen sich. Es wäre ein gutes Beispiel für die ganze Welt, wenn in Europa ein rechtsverbindlicher Forstvertrag zustande käme.

Letzten Oktober hat die Kommission eine Mitteilung über die Aktualisierung der EU-Biowirtschaftsstrategie herausgegeben. Nach meiner Auffassung bietet sie einen ausgezeichneten Ausgangspunkt zur Entwicklung einer auch auf den Wäldern beruhenden Biowirtschaft. Die Strategieziele sind die Erhöhung des Mehrwerts der Biowirtschaft, Intensivierung der Kompetenzen, Forschung, Beratung und Kooperation, Beschleunigung der Investitionen sowie die Gewährleistung der Nachhaltigkeit und der Akzeptanz. Ein guter Ausgangspunkt ist die Förderung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen anhand der Biowirtschaft.

Finnland hält es für wichtig, dass die Mitgliedstaaten die Biowirtschaft je nach eigenen Stärken und Möglichkeiten fördern können. Finnland hofft, dass anhand dieser Strategie die Stellung der Ersterzeuger in der Wertschöpfungskette der Biowirtschaft verbessert werden kann. Die Bekanntmachung der Biowirtschaft ist wichtig, damit biobasierte Erzeugnisse und Dienstleistungen auf dem Markt eingeführt werden können.
Nicht nur der ländliche Raum – sondern auch Städte und städtische Gebiete – haben eine bedeutende Rolle in der Förderung der Biowirtschaft. Holzbasierte Erzeugnisse und die Bautätigkeit mit  Holz in den Städten schaffen Märkte für die Erzeugnisse der Biowirtschaft. Die Lösungen der Biowirtschaft stärken die sich gegeneinander stützende Entwicklung der städtischen und ländlichen Räume.

Als Bestandteil des Präsidentschaftsprogramms organisiert Finnland eine große Biowirtschaftskonferenz. Dort wird die Umsetzung der aktualisierten Strategie intensiviert. Die Konferenz wird am 9. Juli in Helsinki stattfinden. Im Rahmen der Konferenz haben Sie die Möglichkeit, die finnische Biowirtschaft kennenzulernen. Ich heiße Sie bereits jetzt herzlich in Finnland willkommen! 

Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer,

die Wälder sind die effizienteste verfügbare Technologie, um das Kohlenstoffdioxid aus der Erdatmosphäre aufzunehmen. Der im letzten Herbst veröffentlichte 1,5-Grad-Bericht des IPCC forderte dazu auf, die Entwaldung zu bekämpfen und die weltweite Waldfläche erheblich zu steigern – bis zu einem europagroßen Gebiet. Die Bewältigung der Herausforderungen dieses Ausmaßes fordert langfristige weltweite Anstrengungen. Durch die nachhaltige Pflege und Nutzung der Wälder sowie die Förderung der Erstaufforstungsmaßnahmen sind wir in der Lage, vielseitige Klimavorteile zu schaffen.

Insbesondere in Afrika erkenne ich bedeutende Möglichkeiten. Als Bestandteil der Partnerschaft zwischen der EU und Afrika wird unter Federführung des Kommissionsvorsitzenden Juncker ein umfassendes Investitionsprogramm erstellt. Wird dieses Programm realisiert, so bringt es eine Finanzierung von mehreren Dutzend Milliarden für die Investitionen mit sich, die eine nachhaltige Entwicklung fördern. Finnland hat der Kommission eine Initiative vorgestellt, in der im Rahmen des Programms die nachhaltige Pflege und Nutzung der Wälder, die Aufforstung von baumlosen Flächen sowie die Maßnahmen gegen die Entwaldung in Afrika in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren unterstützt werden.

Liebe Freunde, die Bedeutung der Wälder in der Förderung der Sicherheit und Gesundheit der Menschen, der biologischen Vielfalt sowie der Ermöglichung der Gewerbeausübung ist im Laufe des Klimawandels klar zu erkennen. Wir setzen uns auf nationaler und europaweiter Ebene für die Reduzierung der Emissionen ein. Wir befinden uns auf einem herausfordernden, aber aussichtsreichen Weg von der fossilen Wirtschaft zur Biowirtschaft. Ich glaube fest daran, dass die gute Pflege und nachhaltige Nutzung der Wälder ein Bestandteil der Lösung sein werden.

Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Grune Woche